11. Kompolize Sommer 2017

Preisträger des 11. Kompositionswettbewerbs Kompolize Sommer 2017 war David Lamaze mit seinem Werk Deux danses pour orchestre (2016). Die Uraufführung durch das Lietzeorchester fand am Mittwoch, 12. Juli 2017, in der Lindenkirche in Berlin-Wilmersdorf und am Samstag, 15. Juli 2017, im Konzertsaal der Universität der Künste Berlin (Hardenbergstraße) statt.

David Lamaze studierte zunächst am Konservatorium in Nancy Klavier, Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt. Am Pariser Konservatorium vertiefte er seine Studien in Harmonielehre (bei Jean-François Zygel), Kontrapunkt (bei Bernard de Crépy), Fuge und Form (Prix de Fugue Marcel Dautremer, bei Thierry Escaich), Renaissance-Kontrapunkt (bei Olivier Trachier), Stile des 20. Jahrhunderts (bei Édith Lejet) und Instrumentation (bei Marc-André Dalbavie). Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen vor allem Bach und Ravel wegen ihrer Klarheit, Mahler wegen seines Ausdrucks, Bartok wegen seiner Direktheit. Nichtsdestotrotz schätzt er auch die Intensität und Unmittelbarkeit populärer, improvisierter und traditioneller Musik. Zu seinen Hobbys zählen klassische Gesellschaftstänze.

Lamaze promovierte über die Beziehungen Maurice Ravels und Claude Debussys zur Pianistin Misia Sert, für die er Belege in Partituren der beiden Komponisten fand (Misia Godebska, un point commun entre Ravel et Debussy, Rouen 2011). Weiterhin verfasst er Novellen und Essays über die Themen seiner Forschung.

Zu seinen Kompositionen zählen u. a. Taliesin für doppelten Chor a capella, L'Homme au bras ballant für Saxophon-Quartett (zu einem Kurzfilm von Laurent Gorgiard) oder eine Tarentelle für Klavier, die er später zu seinen Deux danses pour orchestre umarbeitete. Für seine Studenten am Konservatorium in Rennes schrieb er Quatorze basses fuguées (14 Übungen zur Fuge). Seine Werke erscheinen im Eigenverlag und sind über www.thebookedition.com erhältlich. Bereits im Sommer 2014 nahm Lamaze mit seinem Orchesterwerk Freu dich sehr beim 5. Kompolize teil, errang damals jedoch nur einen undankbaren zweiten Platz.

Über sein Werk Deux danses pour orchestre (Zwei Tänze für Orchester) schreibt Lamaze:

Die Partitur von Deux danses pour orchestre basiert auf meiner Tarantelle für Klavier. Der Rhythmus der Tarantelle beruht auf dem bereits im Barock bekannten kompositorischen Prinzip der zusammengesetzten Taktarten (Zusammenfassungen von Zweier- und/oder Dreiertakten, die mehrere Deutungsmöglichkeiten der Betonung erlauben). Wichtiger aber ist die Vorstellung einer Spinne (Tarentula), deren Biss einen in einen rasenden Tanz bis zur Erschöpfung treibt. Eher simple harmonische Akkorde finden ihren Weg über chromatische Leitern, erinnern an d-Moll. Ein Teil der melodischen Linien leiten sich von diesen Akkorden ab.
Der erste Teil basiert auf einem anderen Tanz, der hier ungenannt bleiben soll. Es ist auch nicht notwendig, ihn zu erkennen. Ich verrate nur, dass es sich um einen lateinamerikanischen Rhythmus handelt, der den Kompositionsprozess getragen und begleitet hat. Die Art der Einleitung hat manches mit der Tarantelle gemein, wurde sie doch nach dieser komponiert. Gegen Ende dieses Teils schimmert ebenfalls eine simple Harmonie durch, diesmal in F-Dur.
Die Tarantelle für Klavier komponierte und orchestrierte ich 2004. Im September 2016 fügte ich eine Introduktion hinzu und orchestrierte das Werk neu.