10. Kompolize Winter 2017

Preisträger des 10. Kompositionswettbewerbs Kompolize Winter 2017 war Yasutaki Inamori mit seinem Werk Sonic Condition (2016). Die Uraufführung durch das Lietzeorchester fand am 18. Februar 2017 in der Lindenkirche in Berlin-Wilmersdorf und am 25. Februar 2017 im Großen Sendesaal im Haus des Rundfunks Berlin statt.

Yasutaki Inamori wurde 1978 in Tokio geboren. Er studierte Komposition an der Tokio Gakugei Universität bei Masahiro Yamauchi, wechselte an die Hochschule für Musik und Tanz Köln und setzte sein Studium 2009 bei Johannes Schöllhorn und 2011 bei Michael Beil fort, das er 2011 mit einem Konzertexamen (instrumentale Komposition) und 2013 mit einem Master (elektronische Komposition) abschloss. Er hat seit 2014 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (Instrumentation und Instrumentenkunde).

Inamoris Musik wurde in Deutschland, den USA, Belgien, den Niederlanden, Mexiko und Japan aufgeführt. Er arbeitete mit Klangkörpern wie dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem Gürzenich-Orchester Köln, dem SWR Radiosinfonieorchester Stuttgart, dem Brussels Philharmonic, dem New Japan Philharmonic, dem Tokyo Philharmonic, dem l’instant donné, dem Ensemble Hand-Werk, dem Ensemble Garage und mit Solisten wie Camilla Hoitenga, Carin Levine, Barbara Maurer oder Dirk Rothbrust zusammen.

Inamoris Werk wurde mit dem Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium 2011 der Stadt Köln, dem 1. Preis des 76. Japanischen Musikwettbewerbs 2007, dem 3. Preis des Kompositionswettbewerbs der Franz-Josef-Reinl-Stiftung 2011 und dem 3. Preis des Kompositionswettbewerbs der Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik 2011 ausgezeichnet. 2009–2012 war Inamori Stipendiat der Rohm Music Foundation, 2012 auch der Nomura Foundation.

Zu Sonic Condition schreibt Yasutaki Inamori:

Sonic Condition besteht aus einer Reihe improvisatorischer Fragmente, die den Ton g‘ (G4) als zentralen Ton ummalen und verarbeiten. Dieser zentrale Ton vibriert und schwebt mit anklingenden Akkorden zunächst durch die Streichinstrumente, die einen mikrotonalen Tremolo-Effekt spielen. Die Bläser treten dazu, ihre melodischen Figuren kreisen um den Ton G, vermeiden aber weitgehend den zentralen Ton g‘. Später dehnt sich der zentrale Ton auf mehrere Oktaven aus, gefolgt von begleitenden melodischen Figuren. Zum Ende des Stücks kommt eine Perpetuum-Bewegung als Coda, die sich über die ganze Palette orchestraler Klangfarben erstreckt. Doch außer in den Pauken kommt kein G mehr vor. Sonic Condition spürt den Klangfarben des Orchesters um den Ton G nach, doch verliert es zum Schluss hin den Fokus auf seinen zentralen Ton und seine Struktur.

In Sonic Condition interessiere ich mich für rhythmische Dissonanz (Polyrhythmus, Hemiole, wechselndes Metrum, Zusammenspiel unterschiedlicher Pulse u.a.). Die Kunst des Rhythmus zu beherrschen, ist für Komponisten und Musiker ein profundes Thema. Der Rhythmus wirkt schnell unspielbar, unerkennbar oder chaotisch, wenn man zu kompliziert schreibt. Aber rhythmische Komplexität kann sehr wirkungsvoll klingen, wenn man sie gut kontrolliert, wie z.B. in späteren Werken György Ligetis. Ich interessiere mich für diese Grenzen zwischen kompliziertem, gut kontrolliertem und chaotischem Rhythmus. Um solche komplexen rhythmischen Situationen zu genießen, komponiere ich oft mit deutlich begrenztem Ton-Material, wie dem Ton G bei Sonic Condition. Die Kombination aus Einfachem und Kompliziertem soll unsere Ohren dazu verleiten, sich darauf zu konzentrieren, wie die Gesamtwirkung strukturiert und organisiert ist.