12. Kompolize Winter 2018

Michael Essl | © Irene KraussDie Jury des Lietzeorchesters hat entschieden: Preisträger des von psophos und dem Lietzeorchester e. V. veranstalteten 12. Kompositionswettbewerbs Kompolize Winter 2018 ist Michael Essl mit seinem Werk Forgotten Memories (2017). Die Uraufführung durch das Lietzeorchester findet am Samstag, 24. Februar 2018, im Konzertsaal der Universität der Künste Berlin (Hardenbergstraße) statt.

Michael Essl wurde 1991 als Sohn des Organisten Jürgen Essl und der Pianistin Sabine Sauer-Essl in Stuttgart geboren. Er studierte ab 2011 zunächst Jazz-Klavier an der Musikhochschule Stuttgart bei Hubert Nuss. 2014 erhielt er ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston, wo er seine Ausbildung bei Francesca Tanksley und Laszlo Gardony fortsetzte. Zugleich begann er, Komposition bei Andrew List zu studieren. 2016 setzte er sein Kompositionsstudium bei Hanspeter Kyburz an der Hanns Eisler-Hochschule für Musik in Berlin fort. Außerdem nahm er an einigen Meisterkursen teil und hatte Kompositionsunterricht bei Jukka Tiensuu, Jan Jirasek, Ofer Ben-Amots, Tomi Räisänen und Rainer Tempel. 
Für seine Werke wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit ersten Preisen bei internationalen Kompositionswettbewerben wie dem Alba Rosa Viëtor-Wettbewerb und dem Joseph Dorfman-Wettbewerb. Seine Stücke wurden in Deutschland, den USA, Finnland, Belgien, Italien und den Niederlanden u. a. von dem Echo-Preisträger Christian Segmehl, dem Avanti! Chamber Orchestra und dem Freiburger Kammerchor aufgeführt. Mehrere seiner Werke sind auf CD erschienen.

Über sein Werk schreibt Michael Essl:

Forgotten Memories beschreibt den Versuch einer Rekonstruktion von verblassenden Erinnerungen. Dabei gibt es Bruchstücke, die in der Erinnerung sehr deutlich sind, aber alleine keinen Zusammenhang ergeben. Diese Bruchstücke werden zu Beginn des Stücks präsentiert und bestehen aus verschiedenen Texturen, die jeweils unterschiedliche musikalische Parameter besonders hervorheben. Anschließend wird in mehreren Anläufen versucht, die Bruchstücke zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzusetzen. Das beginnt sehr langsam und einstimmig in den Streichern, die noch sehr ungewiss den Prozess einleiten. Dann kommt nach und nach Bewegung in die Sache und es entwickelt sich ein immer noch einstimmiger Klangfaden, der in den gezupften Streichern beginnt und sich in seinem Verlauf durch die verschiedenen Instrumente und Register bewegt. Doch es braucht mehrere Anläufe mit verschiedenen Kombinationsvorschlägen, um sich allmählich einer schlüssigen Verbindung der Bruchstücke anzunähern. Beim zweiten Versuch ist der Klangfaden bereits stark kontrapunktisch verdichtet und steigert sich beinahe zu einem Höhepunkt, der sich jedoch auch wieder als Enttäuschung herausstellt. Der dritte Anlauf besteht nur noch aus einer sich nach und nach aufbauenden großen Klangmasse, in der alles miteinander verschwimmt. Als dann schließlich ein bereits vergessener Teil der Erinnerung zurückkehrt, ist vieles anders als erwartet. Plötzlich erklingen Dur-Dreiklänge und eine expressive Melodie in den Violinen, die sich mehr und mehr in die Höhe schraubt. Doch wieder reißt der Strang unvorbereitet ab und die vollständige Rekonstruktion bleibt bis zum Ende verwehrt.