5. Kompolize Sommer 2014

Jasmin Osmanagic, Kompolize Sommer 2014Preisträger des 5. Kompositions­wettbewerbs Kompolize Sommer 2014 war Jasmin Osmanagić mit seiner Komposition Symphonisches Agitato. Die Uraufführung fand am 8. Juli 2014 in der Lindenkirche in Berlin-Wilmersdorf und am 11. Juli 2014 im Konzertsaal der Universität der Künste Berlin in der Hardenbergstraße statt.

Jasmin Osmanagić, 1963 in Sarajevo geboren, studierte zunächst Komposition und Klavier an der Musikakademie seiner Geburtsstadt. Er verließ die Akademie 1987 als diplomierter Komponist und Klavierpädagoge, arbeitete zunächst als Musiklehrer am Musikgymnasium Sarajevo und komponierte erste kammermusikalische, symphonische und elektronische Werke. 1990 schrieb er sich für das Magisterstudium in Komposition ein, doch dieses wurde vom Krieg im ehemaligen Jugoslawien und dessen Folgen unterbrochen.

Erst 2006 setzte Osmanagić seine Studien fort und schloss diese zwei Jahre später mit seiner Symphonie Sarajevo ab. Da umfasste sein Werk bereits Kompositionen ganz unterschiedlicher Gattungen – Sonaten und Quartette, Kammer- und Orchestermusik, Solokonzerte, Opern und Filmmusik, Bearbeitungen und Arrangements, Elektronik und eine Hymne. Osmanagićs Werke sind auf CD-Produktionen festgehalten, wurden u. a. beim Beethovenfest in Bonn, in Stuttgart, in Sarajevo und in Dubai aufgeführt. Daneben arbeitet Osmanagić als Begleiter in Tanz- und Ballettstudios und ist immer wieder auch als Pianist und Keyborder im Konzert zu erleben.

Sein Werk Symphonisches Agitato (2014) beschreibt Jasmin Osmanagić so:

Das Stück ist in einer klassischen Sonatenform mit modernen harmonischen Mitteln ohne Tonalität komponiert. Sie nimmt etwa zehn Minuten in Anspruch. Alle positiven und negativen Variationen, die uns ständig begleiten, habe ich versucht zu sammeln, auf Notenpapier zu übertragen und dadurch zu interpretieren.

Der einleitende Teil, welchen das Orchester mit maximaler Härte (Tutti) ausführt, stellt das schnelle und unruhige Bewegen unserer Zeit dar. Dieser Ablauf wird sich nicht ändern, sofern wir keine Gegenmaßnahmen treffen. Deshalb habe ich die Dramatik in meiner Komposition bewusst pointiert, vermeide aber ihre alleinige Führung. Dies bedeutet eine gewisse Dosis Unruhe, die notwendig für die Dynamik ist und uns immer etwas Neues bietet. Schon mit dem elften Takt beruhige ich das Furioso und führe das Motiv in eine langsame und ruhige Atmosphäre. Danach wird durch die Solotrompete (con sordino – mit Dämpfer) das Leitmotiv des Hauptthemas (A-Thema) wieder aufgenommen. Es folgt das A-Thema mit vollem Optimismus und überschwänglicher Lebensfreude. Feierlich wird es von den ersten Violinen intoniert. Verschiedene Gruppen von Instrumenten akzentuieren und rhythmisieren abwechselnd. Im Wechsel und zwanglos bieten sie dem Thema Neuigkeiten an, die im weiteren Verlauf frei sind und in der Lage, diesen Wechsel anzunehmen. Das heißt, dass das Wechselwirken des einführenden Teils mit dem musikalischen Bild des folgenden kooperiert. Somit wird das  A-Thema bis zum 41. Takt geführt, vorläufig abgeschlossen und mit einer musikalischen Brücke zu Thema B übergeleitet.

Das  B-Thema steht im Kontrast zu einer ruhigen andanten Bewegung. Es wird über einer weichen rhythmischen Begleitung der Streicher von den Holzblasinstrumenten im Wechsel vorgetragen. Die Führung des B-Themas kommt allmählich zu ihrer finalen Entwicklung und es beginnt die Vorbereitung auf eine neue Situation. Im 67. Takt wiederholt sich das Thema des einführenden Teiles in einer abgewandelten musikalischen Intonierung. Im nachfolgendem komme ich auf beide Themen zurück und verbinde das A-Thema mit der pulsierenden Begleitung des B-Themas. Obwohl die beiden Themen im Grunde verschiedene Charaktere vorweisen, behindern sie sich nicht im Geringsten.

Durch die Entwicklung dieser Themen im 117. Takt tritt wieder die Dynamik auf, die uns von Beginn an begleitet und uns immer wieder in gegensätzliche Gefühle mitreißt. Im 133. Takt beginnt die Reprise des A-Themas mit neuen Elementen. In den Takten 157 bis 165 baue ich eine ruhige Brücke mit leicht variierten Leitmotiven, die in eine vollständige Kumulation übergehen. Dabei bauen sich die verschiedenen Instrumente zu einer grandiosen Coda auf und bilden damit einen emotionalen Höhepunkt (Tutti).