Portrait Neudinger

Die Jury des Lietzeorchesters hat entschieden: Preisträger des 16. Kompositionswettbewerbs Kompolize Winter 2020 ist Lukas Neudinger mit seinem Werk Zoom the Haze. Die Uraufführung durch das Lietzeorchester findet Ende Februar / Anfang März statt. Genaue Daten und Aufführungsorte werden in Kürze bekannt gegeben.

Lukas Neudinger, 1980 im Burgenland (Österreich) geboren, studierte nach der Matura an der Konservatorium Wien Privatuniversität (MUK) Violine, Viola und Komposition. Seit 2009 ist er als Solobratscher im Orchester der Vereinigten Bühnen Wien tätig, daneben substituiert er in diversen Symphonieorchestern.

Schon während des Studiums erhielt er Kompositionsaufträge durch KIBu (Komponisten und Interpreten im Burgenland), der Konservatorium Wien Privatuniversität und der Musik-Akademie Basel. Wettbewerbserfolge hatte er 2003 beim Burgenländischen Landesjugend-Kulturpreis, 2005 (sowie 2006 und 2007 Anerkennungspreise) beim Jenö Takács-Kompositionspreis oder 2017 beim Wiener Concert-Verein-Compositions-Wettbewerb.

Neudingers Werkliste umfasst beinahe sämtliche Gattungen von Solo- bis zu Orchesterwerken, sie werden im In- und Ausland durch renommierte Ensembles aufgeführt. Gefördert durch das Österreichische Bundesministerium für Kunst und Kultur erklang 2013 Not to see the Sun in Oberschützen und Fürstenfeld, gespielt vom Universitätsorchester Oberschützen unter der Leitung von Martin Kerschbaum. 2017 folgte die Uraufführung von Wenn Seraphim fallen im Brahmssaal des Wiener Musikvereins durch den Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Lorenzo Viotti. Neudinger lebt und arbeitet in Wien.

Über sein Werk Zoom the Haze (2017) schreibt Lukas Neudinger:

Zoom the Haze – Weit. Grau. Dunstschleier und Nebelschwaden. Nichts sichtbar, alles nur erahnbar. Scheinbar konturenlos. Tiefer, immer tiefer hinein. Der Mitte so nah. Dunkle Schatten zuvor, klare Formen jetzt. Zoom the Haze – und beginne zu sehen ...

Die Komposition entstand aus der Überlegung heraus, einen anhaltend schwebenden Orchesterklang zu zoomen. Ist es möglich, immer tiefer ins Innere eines Tonnebels vorzudringen, das Unscharfe zu verdrängen und so sukzessiv Konkretes wahrnehmbar zu machen?

… ZOOM IN

Durch seine Metamorphose gewinnt der Gesamtklang schrittweise an Intensität und Prägnanz. Durch fein ausbalancierte Instrumentation und Harmonik wird der Eindruck von wahrnehmbaren Strukturen merkbar. Nebeneinander verlaufende Strömungen einzelner Instrumentengruppen und zeitlich versetzte Impulse finden in der Mitte des Werks zu Gleichzeitigkeit und Gleichförmigkeit. Durch Unisono der Stimmen wird mehr Schärfe und Substanz in der Musik erreicht. Immer länger zieht sich der Spannungsbogen, bis sich unweigerlich die Frage stellt: Was ist es, das hier allmählich zum Vorschein kommt?  

… ZOOM OUT

Einzelne Dunstwolken verhüllen wiederum die Sicht und bringen die Komposition sukzessive in die geheimnisvolle Anfangsstimmung zurück. Hier ein Schleier, dort Verborgenes. Der Moment, es sehen zu können – vielleicht jetzt, vielleicht nie. Zoom the Haze, eine Klangexpedition für großes Orchester.